"Fuck" statt "Ficken" - REDUX sucks. Da es offensichtlich eine Knappheit an Flames gegen die Neufassung von Apocalypse Now gibt, habe ich mir einmal die Mühe einiger ablehnender Worte gemacht. Ich sehe überall Kritiken und Reviews, die behaupten, der Film würde stärker als das Original dies und das herausarbeiten. Nicht einer erwähnt, daß man durch Verändern nahezu jeder Szene aus einem Kultfilm nicht wieder einen Kultfilm machen kann. Noch schlimmer, es ist sogar gelungen, ihn komplett kaputt zu machen in jeder Beziehung: als Kultfilm, als Kriegsfilm, als Antikriegsfilm, sowie als optisch und dramaturisch ästhetischen Film. Es geht in REDUX überhaupt nicht darum, daß es eine weitere Playboy-Bunny-Szene und eine Kolonialistenszene gibt, sondern darum, daß (ohne Übertreibung!) jede Szene aus leicht verschiedenen Filmschnipseln neu zusammengesetzt und überarbeitet wurde. Die deutsche Neusynchronisation, deren technische Notwendigkeit mir durchaus einleuchtet, gibt dem ganzen den Rest. Jeder halbwegs schwer verständliche Satz wurde herausgenommen und durch flaches, leichtverdauliches Gewäsch ersetzt, damit es auch die letzten Mainstream-Zuschauer auf den billigen Plätzen noch begreifen. Ein "Schlußmachen, aus tiefster Überzeugung" in ein "Schlußmachen, mit allen Mitteln" zu verwandeln, ist regelrecht ein Sakrileg. Die Szene mit Kilgores Abschlußsatz "Irgendwann ist dieser Krieg mal zu Ende" in REDUX weiterlaufen zu lassen und durch redundantes weiteres Wellengefasel wieder abklingen zu lassen, zerstört komplett das Konzept der gesamten Kilgore-Sequenz. Ein geschickter Schnitt nach einem derartigen dramaturgischen Höhepunkt, das macht den Unterschied zwischen einem Oscar-reifen, großen Film und einer banalen Mainstream-Ballade. Desweiteren wird neben technischen Aspekten wie Sprechrhythmus, Szenentempo und Einzelszenen-Aussage auch die Gesamtaussage grob verfälscht. In REDUX wird aus der ursprünglich selbst nicht unschuldigen, gedankenlosen Bootsbesatzung eine Truppe von nachdenklichen, das "irre System" ablehnenden, fast sauberen Helden, die an keiner Stelle des Filmes zu betonen vergessen, wie verrückt doch Kilgore und die Army und was weiß ich, wer noch alles, sind. REDUX verherrlicht im Vergleich zum Original regelrecht seine fünf Helden auf dem Boot. Die verschobene Sichtweise auf die Helden, das klare Betonen und Herausarbeiten des "bösen" Systems durch ständige, glasklare Wiederholungen dieser Aussage durch die handelnden Personen gibt dem Film auf den ersten Blick durchaus eine politisch korrektere Eindeutigkeit, eine konkretere Stellungnahme, als es das Original tat. Aber genau das macht die Grundaussage eines Antikriegsfilms vollkommen wertlos, indem es eine scharfe Trennung schafft zwischen "gut" und "böse". Die scheinbare "political correctness" von REDUX ist somit nicht mehr als eine platte "es gab auch gute GIs"-Aussage. Ein weiterer Aspekt ist der Verlust von Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit des Originals als (Anti-)Kriegsfilm. Durch die zusätzliche Kolonialistenszene mit konkret benannten Ereignissen und weiterhin später auch der expliziten Erwähnung beispielsweise des Time-Magazins wird die Handlung an den konkreten Krieg in Vietnam gebunden. Das Original verwendete Vietnam nur als Aufhänger. Der Rest des Films könnte für jeden anderen Krieg ebenso Gültigkeit haben. REDUX ist nicht länger zeitlos. Apocalypse Now hat 22 Jahre überdauert, ohne an Aktualität zu verlieren. REDUX macht dem ein Ende. Unabhängig davon ist die in der hinzugekommenen Time-Magazin-Szene eindeutige Klärung, daß Kurtz Willard zu seinem Chronisten machen möchte, ein gehöriges Stück Vermittlung von Langeweile. Ob dies im Original tatsächlich ein explizit abgesprochener Deal zwischen Kurtz und Willard ist, bleibt dort verborgen. Jetzt ist es ein taubes Stück Film: vollständig geklärt, von allen verstanden, ab zur nächsten Szene. Zurück zum Kultaspekt. Was an der neuen deutschen Synchronisation besonders schmerzt, ist der Verlust des charmanten Stils von Fehldeutungen in der alten Übersetzung. Wenn Kurtz früher sagte: "... aber ihre Kommandeure erlauben ihnen nicht, das Wort 'Ficken' auf ihre Flugzeuge zu schreiben, weil *das* obszön ist", dann sagt er 22 Jahre später, nachdem das Wort internationalisiert ist, "Fuck" statt "Ficken". Schade um den Satz. Der Film ist voll von Klärungen schwer verständlicher Szenen des Originals. Manchmal wird auch offensichtlich nur versucht, Goofs zu beheben, wie z.B., daß das Boot (angeblich) nicht von einem Hubschrauber angehoben werden kann. Daher muß Willard nun zwanghaft aus dem Off betonen, daß es "eines dieser Plastikbote" ist. Schade. Und wieso muß Willard die Bootsbesatzung diesmal nicht nur als "Milchbärte", sondern zusätzlich noch als "Rock"-Freaks oder so etwas ähnliches bezeichnen. Nur, um die an einen nachweislich falschen Platz verschobene "Satisfaction"-Sequenz noch zu erklären? Ich weiß es nicht. Die Disneylandszene, die Tonbandszene bei Clean's Tod, ich könnte derartige Beispiele jetzt über 3 Stunden Handlung hinweg aufzählen, aber das bringt natürlich nichts. Ich gebe zu, daß ich vermutlich einer der wenigen bin, die Apocalypse Now praktisch auswendig kennen, aber leiht euch das Original, solange es noch geht und vergleicht es mit REDUX, sobald dieses in der Video-Ecke erscheint (sucht es dann neben MI2) und ihr werdet den Unterschied erkennen. REDUX sucks, für den Fall wurde dieser Fäkalspruch erfunden. Sorry, aber ich behaupte einfach mal, daß entweder die Genialität von Coppola dahin ist oder er einfach Kohle brauchte (gefakte Director's Cuts sind ein Klassiker). Mir fällt gerade nicht ein, welche Motivation für REDUX ich weniger schlecht finden sollte. Vielleicht ist auch die Erstfassung von Apocalypse Now tatsächlich nur "aus Versehen" so gut geworden ist, wie sie nun mal noch immer ist. REDUX jedenfalls ist es nicht.